Ich habe gerade zehn Tage auf Teneriffa verbracht und Surfen gelernt. Tatsächlich habe ich viel mehr gelernt als nur zu auf den Wellen zu reiten. Ich kenne keinen Sport, wo der Mensch so eng mit der Natur verbunden ist und so deutlich merkt, wie mächtig und schön sie ist: Du sitzt auf deinem Brett draußen im Meer und beobachtest die Wellen. Sie kommen in unregelmäßigen Stärken und du musst ganz genau darauf achten, wo sie brechen und wann. Es geht darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden, denn die eine Wahrheit beim Surfen ist: du darst nicht bestimmen, du kannst die Welle nicht aufhalten, nicht herumdirigieren, du kannst nur den einen magischen Moment finden und für ein paar Sekunden die Energie der Meere für dich nutzen. Freiheit, Geschwindigkeit, Glück. Aber immer wieder zeigen dir die Wellen, wie kraftvoll und unberechenbar sie sind. Ist es im Leben nicht oft genau so? Es gibt gute Wellen und die sollte man nutzen! Buchempfehlung dazu: Atem von Tim Winton! Und für alle (Internet-)Surfer: Der Big Wave Award! (Foto von silverxraven, flickr.com)Montag, 28. Juni 2010
Wellen
Ich habe gerade zehn Tage auf Teneriffa verbracht und Surfen gelernt. Tatsächlich habe ich viel mehr gelernt als nur zu auf den Wellen zu reiten. Ich kenne keinen Sport, wo der Mensch so eng mit der Natur verbunden ist und so deutlich merkt, wie mächtig und schön sie ist: Du sitzt auf deinem Brett draußen im Meer und beobachtest die Wellen. Sie kommen in unregelmäßigen Stärken und du musst ganz genau darauf achten, wo sie brechen und wann. Es geht darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden, denn die eine Wahrheit beim Surfen ist: du darst nicht bestimmen, du kannst die Welle nicht aufhalten, nicht herumdirigieren, du kannst nur den einen magischen Moment finden und für ein paar Sekunden die Energie der Meere für dich nutzen. Freiheit, Geschwindigkeit, Glück. Aber immer wieder zeigen dir die Wellen, wie kraftvoll und unberechenbar sie sind. Ist es im Leben nicht oft genau so? Es gibt gute Wellen und die sollte man nutzen! Buchempfehlung dazu: Atem von Tim Winton! Und für alle (Internet-)Surfer: Der Big Wave Award! (Foto von silverxraven, flickr.com)Donnerstag, 10. Juni 2010
Die zitternde Frau
Eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen ist Siri Hustvedt. Heute möchte ich Ihr neuestes Buch empfehlen, das zw
ar Themen Ihrer vier großartigen Romane aufgreift, im Prinzip aber autobiographisch ist. In "die zitternde Frau" beschreibt Hustvedt, wie sie während einer Rede anfängt, am ganzen Körper zu zittern. Sie redet zwar weiter, hat aber keine Kontrolle mehr über ihren Körper. Das wiederholt sich in verschiedenen Vortragssituationen und ist der Ausgangspunkt für eine wissenschaftshistorische Reise durch die Psychotherapie und die Gehirnforschung. Die New Yorkerin schreibt unglaublich informativ und mit einem ganz klaren persönlichen Bezug: sie möchte verstehen, was mit ihr los ist. Ich habe sehr viel gelernt durch dieses Buch und gleichzeitig eine Reise mitgemacht in die "Geschichte meiner Nerven", so der Untertitel.
Hustvedt geht in diesem Buch viele spannende Themen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit unserem Geist durch: immer wieder kommt sie auf die Hysterie zu sprechen, die auch in ihrem Meisterwerk "Was ich liebte" eine wichtige Rolle spielt. Faszinierend sind auch ihre Beschreibung des "Automatischen Schreibens" und wie sie diese Methode bei Schreibworkshops in Psychatrien anwendet. Am Ende des Buches steht zwar keine Heilung, aber ich finde es bemerkenswert, wie mutig und offen sie mit ihrer eigenen Krankheit umgeht. Ein absoluter Lesetipp.



