Montag, 26. Januar 2009
Die Stimmung in Amerika
Dazu passen die Beobachtungen, die der Kollege Michael Blume in seinem religionswissenschaftlichen Blog in Amerika macht. Sehr spannend nachzulesen!
Sumo
Gestern ist das Neujahrsturnier im Sumo zu Ende gegangen. Ich liebe diesen Sport. Das können viele nicht nachvollziehen. Meine Faszination begann, als ich in Japan am letzten Tag von einem Turnier im Stadion war. Das besondere ist der Wechsel der Tempi. Zunächst wird die Spannung aufgebaut: insgesamt vier Mal stellen sich die Ringer gegenüber, vollziehen das Vor-Kampf-Ritual, stampfen auf den Boden und werfen Salz in den Ring. Das dauert ewig. Sie müssen sich entscheiden, welche der streng limitierten Techniken sie gleich anwenden wollen. Und dann geht alles ganz schnell. Wenn beide ihre Fäuste auf den Boden gelegt haben, beginnt der Kampf und dauert meistens nur ein paar Sekunden. Diesen Wechsel von zähfließender Vorbereitung und dann superschnellen Entscheidungen finde ich so beeindruckend.
Und letztendlich ist der Kampf selbst Spieltheorie pur. Denn es gilt, nicht nur die richtige Strategie zu haben, sondern in Bruchteilen von Sekunden auch auf den Ansatz des Gegners zu reagieren.
Gestern gab es eine Art Elfmeterschießen, die beiden besten Kämpfer mussten nochmal antreten, weil sie gleichviele Siege hatten. Mein Favorit, der Mongole Asashoryu hat gesiegt. Nach dem Kampf bleibt der Sieger sitzen und gönnt sich kein Zeichen des Triumphs, stattdessen malt er mit den Händen das Schriftzeichen für Herz in die Luft. Und anschließend kommt das Abschluss-Ritual, der Tanz des Siegers mit dem Bogen. Hier sind die Wurzeln des Sumo in der Shinto-Tradition deutlich zu fühlen.


