Als Religionswissenschaftler habe ich in vielen Traditionen von ekstatischen Erfahrungen gelesen und gehört, in denen Menschen sich außerhalb ihres eigenen Körpers erleben. Dies wird in der Wissenschaft als "out of body experience" beschrieben. Mit großem Interesse habe ich Berichte über ein Forschungsprojekt gelesen, denen es mit Hilfe von virtuellem Erleben gelungen ist, solche Erfahrungen im Labor zu erzeugen und zu beschreiben.
Philosophen aus Mainz und Neurowissenschaftlern aus Lausanne (auch eine super spannende Kombination) und zeitgleich Psychologen aus London haben ihre Untersuchungen in Science publiziert (Ausgabe 317). Auch wenn die Versuche schwer zu verstehen sind, scheint es ungefähr so abzulaufen: Eine Versuchsperson bekommt ein Videobild vorgeführt, in dem sie ihren realen physischen Körper von außerhalb sehen. Sie schauen sozusagen aus der Perspektive eines Avatars auf sich selbst. Durch dieses Blicken fängt der Körper interessanterweise an, Berührungen zu spüren, die auf dem Video scheinbar dem Avatar geschehen! Dies ist, wenn auch noch sehr rudimentär, die Verlagerung des körperlichen Empfindes außerhalb des Körpers: "out of body"! Kurze Zusammenfassungen können in der Mainzer Pressemitteilung beim idw nachgelesen werden. Beiträge eines federführenden Forschers, des Philosophen Thomas Metzinger, finden Sie auf dieser Seite. Das ist zwar noch weit erfernt von den religiösen Erfahrungen, aber eine gute Beschreibungen von den Fähigkeiten (bzw. Beschränkungen?) unseres Gehirns. (Foto von dirtyfeet).


