Gold, soweit das Auge reicht. Das älteste römische Glas. Indische Wassergottheiten aus Elfenbein und Parfüm-Flakons in Fischform. Diese Schätze haben wie durch ein Wunder die zerstörerischen Bürgerkriegsjahre in Afghanistan überstanden und werden nun zum ersten Mal in Deuts
chland gezeigt. In der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn ist eine atemberaubende Ausstellung zu sehen, in der ich mittlerweile schon einige Führungen durchgeführt habe. Damals wie heute war Afghanistan ein Land, um das sich die großen Völker gestritten haben. Viele kulturelle Einflüsse haben die wertvollen Schätze mitgestaltet: so sieht man etwa im Goldschatz einer Nomadenfürstin des 1. Jahrhunderts eine griechische Aphrodite in indischer Gestalt (sehen sie den typischen Punkt (bindi) zwischen den Augen?)! Es ist für mich faszinierend zu sehen, wie die Schönheit und Qualität der Schätze alle Besuchern in den Bann schlägt, vom Kleinkind bis zur Seniorin! Mein Lieblingsstück ist eine Schale aus Silber und Gold, auf der Kybele, die griechische Göttin der Natur, auf einem von Löwen gezogenen Streitwagen thront. Ein persischer Priester schützt sie - wie auf indischen Darstellungen - mit einem Schirm, ein anderer opfert ihr Weihrauch. Am Himmel die Gestirne, die der Göttin huldigen: ein eindrucksvolles Beispiel für die synkretistischen Energien der Kunst!
Ich kann allen Lesern nur empfehlen, diese atmosphärische Ausstellung anzuschauen und dafür ein anderes, positives Bild von Afghanistan geschenkt zu bekommen: Die "geretteten Schätze" sind bis zum 3. Oktober zu sehen!